Allgemein ·Chinesische Medizin

Die Organuhr der Chinesischen Medizin

12 Organsysteme gibt es im Menschen, so die uralte Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Und jede Krankheit, ob organisch oder psychisch, hat ihren Ursprung in Störungen dieser 12 Systeme. So wird z.B. nicht nur eine Bronchitis, sondern auch eine Depression über den ‘Funktionskreislauf Lunge’ behandelt. Die TCM kennt 5 Arten der Einflussnahme auf die Gesundheit: Qigong, Massage, Ernährung, Kräuter und Akupunktur, wobei Qigong das Fundament bildet. Qigongübungen können eigenverantwortlich und auch vorbeugend geübt werden und wirken grundsätzlich unterstützend bei der Heilung von Körper und Seele. Alle großen Ärzte der chinesischen Medizin sind auch Qi-Gong-Meister (Meister Xu Mingtang, Prof. Heiner Frühauf oder Professor Li Wu)!

Neben den Uhrzeiten der einzelnen Systeme gibt die hier abgebildete chinesische Organuhr Auskunft über

  • die Beziehungen zu den Ebbe- und Fluthexagrammen des I Ging,
  • dem System Himmel-Erde-Mensch,
  • den Farben,
  • und den westlichen und chinesischen Sternzeichen.

Die Organuhr zeigt den Fluss der Energien durch die Meridiane in unserem Körper an. Die Chinesen haben herausgefunden, dass die Energie (chinesisch ‘Qi’) zu bestimmten Zeiten unterschiedlich stark in den einzelnen Leitbahnen (auch Meridiane genannt) zirkuliert. Jede Leitbahn hat eine Zeit von zwei Stunden, in der ihr Qi-Fluss am stärksten und eine andere, in der ihr Qi-Fluss am schwächsten ist. Das heißt, dass alle zwei Stunden eine anderer Meridian ihre energetische Höchstphase hat. Die Abfolge entspricht dabei dem Qi-Umlauf, den Sie weiter unten bei der Darstellung der zwölf Hauptleitbahnen in der Reihenfolge, wie sie die chinesische Organuhr vorgibt, kennenlernen können.

Auf der Organuhr können Sie ganz einfach ablesen, wie sich der Qi-Fluss verändert. So fließt z.B. das Qi in der Herz-Leitbahn in der Zeit von 11 bis 13 Uhr besonders kräftig. Und die Gallenblasen-Leitbahn, die auf der Uhr genau gegenüber der Herz-Leitbahn angeordnet ist, hat zu dieser Zeit ihren Tiefpunkt. Von 23 bis 1 Uhr hingegen wird die Gallenblasen-Leitbahn besonders stark durchströmt, die Herz-Leitbahn hingegen nur wenig.

Beginnen wir mit der genaueren Betrachtung und Erläuterung der Organuhr um 5 Uhr. Hier beginnt die Zeit, in der die Dickdarm-Leitbahn ihre höchste Energie hat. Somit ist die Zeit zwischen 5 und 7 Uhr die beste Zeit, um zur Toilette zu gehen, um den Körper von Abfallstoffen zu reinigen.

Anschließend, in der Zeit zwischen 7 und 9 Uhr, sollten wir ausgiebig frühstücken, da jetzt der Magen, der die Nahrung als erstes inneres Organ empfängt, die meiste Energie hat. Viele Menschen vernachlässigen jedoch gerade das Frühstück und nehmen ihre größte Tagesmahlzeit abends zwischen 19 und 21 Uhr zu sich – dann, wenn der Magen am wenigsten Energie hat. Häufig praktiziert, führt dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verdauungsproblemen.

Interessant hierbei ist, dass sich dies völlig mit unserem “westlichen” Wissen deckt. In einem alten Sprichwort heißt es auch bei uns: »Frühstücke wie ein König, iss zu Mittag wie ein Fürst und zu Abend wie ein Bettelmann«. Bedauerlicherweise ist dieses Wissen um die Einhaltung unserer natürlichen Rhythmen bei uns weitgehend verloren gegangen. So ist die Wiederentdeckung der Weisheit der Organuhr ein Schatz in der sog. integrativen Ost-West-Medizin.

Die Organuhr kann auch sehr hilfreich bei der Bewertung und Zuordnung von Beschwerden sein.

Wenn Sie z. B. nachts immer zur selben Zeit – sagen wir zwischen 1 und 3 Uhr – aufwachen, so kann dies ein Hinweis auf eine energetische Störung im Organsystem Leber sein, denn der Meridian der Leber hat in dieser Zeit seinen energetischen Höhepunkt. Auch therapeutisch kann man die chinesische Organuhr nutzen und z. B. die Wirkung der Akupunktur dadurch verstärken, dass man eine geschwächte Leitbahn in ihrer energetischen Höchstphase tonisierend (stärkend) akupunktiert. Um die Milz zu stärken, müsste die Nadelung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) somit in der Zeit kurz nach 11 Uhr erfolgen.

Auch beim Qigong findet die Organuhr ihre Anwendung, wenn auch nur noch selten. Übungen, die bestimmte Funktionskreise stärken, sollten dann regelmäßig zur entsprechenden Zeit ausgeführt werden. So werden heute noch in einigen Sanatorien und bestimmten Ordensgemeinschaften Atemübungen in der Lungen-Zeit, also in der Zeit zwischen 3 und 5 Uhr morgens praktiziert.

Den optimalen Schlaf-Wach-Rhythmus für erholsamen Schlaf und dass wir ab 23 Uhr schlafen sollten, können wir der Organuhr ebenfalls entnehmen. In dieser Zeit haben Gallenblase und Leber ihren energetischen Höchststand, die Kortisol-Ausschüttung wird heruntergefahren. So können sie ungestört ihrer Aufgabe, dem Planen und Treffen von Entscheidungen, nachkommen.

Wichtig ist abschließend noch, dass Sie den angegebenen Zeiten der Organuhr bedingt durch die Zeitverschiebung im Sommer eine Stunde zufügen müssen.

Hier finden Sie eine Zusammenfassung für jedes Organsystem nach der Klassischen bzw. Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) auf Grundlage des Huang Di Nei Jing, des Gelben Kaisers zum Inneren. Diese Charakterisierungen geben einen guten Eindruck davon, wie umfassend die Traditionelle Chinesische Medizin schon vor einigen tausend Jahren gedacht hat. Die TCM und die chinesische Organuhr sind unlösbar miteinander verbunden, wie nachfolgend zu sehen ist.

Die Organsysteme der chinesischen Organuhr

Lunge/Fei

Die Lunge ist der Kanzler der Organe. Zugang zum Qi (Atem, Vitalität). Äußere Schicht des Immunsystems. Verbindet uns mit dem Raum und dem Rhythmus des Lebens. Tugend: Rechtschaffenheit, Großzügigkeit. Schädigend: Geiz, Ordnungswut, Verwalten, Perfektionismus und Trauer. Unbewältigte Trauer stört z. B. den Schlaf in der Lungen-Zeit zwischen 3 und 5 Uhr nachts. Wandlungsphase Metall mit enger Verbindung zum Holz.

Die Lungenleitbahn

Der Lungen-Meridian, eine Yin-Leitbahn, beginnt seitlich des Körpers unter dem Schlüsselbein, verläuft an der Innenseite des Armes nach unten und endet an der äußeren Nagelwurzel des Daumens. Verzweigungen dieses Meridians gehen zur Kehle, zur Lunge und in den Bauchraum.
Über die Lungen-Leitbahn können mittels TCM-Techniken Akupunktur und Moxibustion eine ganze Reihe von Beschwerden und Krankheiten behandelt werden. Sehr häufig wird sie bei Beschwerden im Bereich der Lunge, bei Erkältungskrankheiten und bei entzündlichen Erkrankungen im Kopfbereich eingesetzt. Weiterhin können Probleme und Schmerzen, die im Verlauf der Leitbahn liegen, mit einer Behandlung der Lungenleitbahn angegangen werden, d.h. also Störungen des Bewegungsapparates, insbesondere der Schultern und Ellbogen. Eine weitere Indikation sind psychische Störungen wie Trauer oder Depressionen. Und schließlich lassen sich über den Lungen-Meridian Windschädigungen zerstreuen und ausleiten.
Weitere grundlegende Informationen zur Chinesischen Medizin wie Organuhr, 5 Elemente oder drei drei Schätze finden Sie in dem Buch “Das Herz der Chinesischen Medizin” von Joachim Stuhlmacher.
Beim Qigong sammelt man häufig die Vorstellungskraft im Punkt »Shaoshang« (Junges Yang) am Daumen, und auch der Punkt »Yunmen« (Tor der Wolken) am Schlüsselbein kommt öfters zum Einsatz.


Dickdarm/Da Chang

Ist die „Arschloch-Energie“ im Sinne eines reinigenden Ausscheidens schädlicher Energien aus dem Körper und auch aus der Seele (z.B. übertriebener Emotionen und Wünsche). Die Dickdarm-Energie ist eine starke Kraft, die unbedingt dem Herzen unterstehen muss. Kontrolliert die Haut. Benötigt die Kraft der Niere, um „Nein“ sagen zu können und die Erkenntnis der Blase, sich stets vor dem Leben zu verbeugen. Pathologie: ein „Arschloch“ werden. Wandlungsphase Metall.

Die Dickdarmleitbahn

Von der Leitbahn der Lunge fließt das Qi in die am engsten mit ihr verbundene Yang-Leitbahn, die Dickdarm-Leitbahn. Diese steigt, beginnend an der inneren Nagelwurzel des Zeigefingers, an der Außenseite des Armes auf, verläuft weiter über Schulter und Hals, und endet neben den Nasenflügeln.
Als Yang-Leitbahn eignet sich die Dickdarm-Leitbahn mit ihren 20 Punkten eher zur Behandlung oberflächlicher Erkrankungen des Körpers. Da sie die Yang-Komponente der Lungen-Leitbahn ist, sind hiermit in erster Linie Beschwerden der Haut und der Schleimhaut gemeint. Somit wird eine Nadelung dieser Leitbahn häufig bei Erkältungsbeschwerden und bei allen Hauterkrankungen angewandt. Außerdem sind einige Punkte auf der Dickdarm-Leitbahn bei Schmerzen sehr wirksam.
Für das Qigong spielt insbesondere der vierte Punkt dieser Leitbahn, »Vereinte Täler« (chin. Hegu) genannt, der sich auf dem Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger befindet, eine große Rolle.
Bei der Massage können sowohl der »Hegu«-Punkt als auch der letzte Punkt der Dickdarm-Leitbahn, »Empfangen der Wohlgerüche« (chin. Yingxiang) genannt, am unteren Rand der Nasenflügel sehr wirkungsvoll eingesetzt werden.


Magen/Wei

Der Magen will „satt“ sein (Fülle erleben und genießen können). Zuständig für Freude am Leben, Lust am Essen, Lust auf Sex, Lust auf Wärme und Liebe. Enger Bezug zu den Augen. Stark entgleistes Organ in der Moderne (Intellekt als Kaiser, Haben-Wollen von Materiellem und Ruhm). Wandlungsphase Erde.

Die Magenleitbahn

Der Weg des Qi geht weiter in die Magen-Leitbahn. Diese beginnt in der Mitte des unteren Augenhöhlenrandes. Sie durchzieht Gesicht, Hals, Brust und Bauch und verläuft an der Vorderseite des Beines bis zur äußeren Nagelwurzel der zweiten Zehe, wo sie endet. Es besteht eine innere Verbindung zum Magen.
Der Magen-Meridian hat 45 Akupunkturpunkte, über die auf das energetische Geschehen über den Körper eingewirkt werden kann. Viele Punkte haben Wirkungen auf das lokale Geschehen im Bereich des Leitbahnverlaufes, also z.B. am Kopf, an der vorderen Rumpfseite und an den Beinen. Aber wir finden auf dieser Leitbahn auch einige sehr wichtige Punkte, die auf das Gesamtgefüge unserer Energien wirken. Natürlich werden auch Magen- und Verdauungsbeschwerden über diese Leitbahn behandelt. Gerne wird über sie außerdem generelle Schwäche, Müdigkeit und Abgeschlagenheit behandelt, Beschwerden also, die wir in unserer Gesellschaft immer häufiger finden und bei denen die Schulmedizin im Gegensatz zur TCM keine effektiven Behandlungsmöglichkeiten vorzuweisen hat.
Der 36. Punkt der Magenleitbahn, der »Dritte Weiler am Fuß« (chin. Zusanli), ist einer der einflussreichsten Akupunkturpunkte für die Gesundheit überhaupt. Er befindet sich eine Handbreit unterhalb der Kniescheibe, etwa einen Fingerbreit seitlich des Schienbeinknochens. Er wird sehr oft und bei ganz unterschiedlichen Beschwerden eingesetzt, da sein Wirkspektrum enorm groß ist. Als generell stärkender Punkt spielt er auch bei der Vorbeugung eine große Rolle. In China sagt man, dass dieser Punkt ab dem 30. Lebensjahr niemals kalt werden sollte, und deshalb wird er oft mit Moxakraut erwärmt. Aufgrund seiner vielseitigen Wirkungen finden wir ihn auch in vielen Qigong- oder Massageübungen wieder.


Milz/Pi

Das Organsystem Milz ist der Sitz der nachgeburtlichen Energien. Verarbeitet unsere Nahrung. Die 6 Yangstriche (siehe Bild Organ-Uhr) stehen für die Kraft zu nähren und zu beleben (ins Leben bringen). Kann aus „Nichts“ „Etwas“ erschaffen. Tugend: Integrität. Liebt die Einfachheit des alltäglichen Lebens und die Bescheidenheit. Schädigend: Ständiges Denken, Grübeln, sich im Kreise drehen. Qi-Umschlagplatz. Wandlungsphase Erde.

Die Milzleitbahn

Der erste Umlauf des Qi findet seinen Abschluss in der Milzleitbahn, oft auch »Milz-Pankreas« genannt. Sie beginnt an der inneren Nagelwurzel der großen Zehe und verläuft aufwärts über den inneren Fußrücken, die Beininnenseite, den seitlichen Bauch- und Brustbereich und endet in Höhe der 7. Rippe in der Achsellinie. Verbindungen bestehen zur Zunge und zur Milz.
Auch die Leitbahn Milz-Pankreas hat tiefgreifende und vielseitige Wirkungen, insbesondere auf unsere »Mitte«, den Bereich des Bauches mit den darin befindlichen Organen Magen, Milz und Bauchspeicheldrüse. Über die insgesamt 21 Punkte der Milz-Leitbahn können z.B. »Feuchtigkeits- oder Schleimstörungen« sehr effektiv therapiert werden. Diese äußern sich in Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, weiche Stühle, Völlegefühl, Aufgedunsen sein, Abgeschlagenheit oder chronischer Müdigkeit. Außerdem sind natürlich Beschwerden, die im Leitbahnverlauf auftauchen, über Punkte der Milzleitbahn zu behandeln.
Ein wichtiger Punkt ist z. B. »Die Verbindung der drei Yin« (chin. Sanjinjiao), der sechste Punkt der Milzleitbahn, der eine Handbreit oberhalb des Innenknöchels lokalisiert ist. Er hat, wie sein Name schon sagt, Verbindung zu den drei Yin-Leitbahnen der Beine und wirkt über diese Verbindung auch stark auf die Leber und Niere. Er wird deshalb bei unterschiedlichen Beschwerden im Bereich des Unterleibes und des unteren Rückens eingesetzt.
Auch beim Qigong und bei der Massage wird häufig mit diesem Punkt gearbeitet.


Herz/Xin

Kaiserin aller Organe. Zuständig für den Kontakt zwischen Mensch und Himmel, die Erkenntnis, dass alles Eins ist, das Wissen um Yin und Yang (Höhen und Tiefen) im Leben. Tugend: Anstand im weitesten und tiefsten Sinne. Ausdrucksform: bedingungslose Liebe. Denkt immer an die „ganze Welt“. Schädigend: Gier, Vorstellungen, Bewertungen und übermäßige Freude (Erregung/Hysterie). Wandlungsphase Feuer.

Die Herzleitbahn

Der zweite Umlauf des Qi beginnt in der Herzleitbahn, einer Yin-Leitbahn. Diese tritt in der Achselhöhle nach außen und verläuft an der Innenseite des Arms bis zur äußeren Nagelwurzel des kleinen Fingers. Weitere Verzweigungen gehen zum Herzen, zum Auge und zum Bauchbereich.
Auf der Herzleitbahn befinden sich neun Akupunkturpunkte. Eine Nadelung ist bei Problemen des Herzens (Herz-Kreislauf-Beschwerden) angezeigt, aber auch bei Gehirnproblemen oder Bewusstseinsstörungen, da die Traditionelle Chinesische Medizin diese Bereiche gleichfalls dem Herzen zuordnet. Sie wird bei Schlafstörungen sowie bei psychischen Beschwerden eingesetzt. Sogar psychiatrische Erkrankungen wie z.B. schwere Neurosen, Psychosen oder Schizophrenie werden in der TCM über Punkte auf der Herzleitbahn behandelt.

Besonders häufig wird der siebte Punkt dieser Leitbahn mit dem poetischen Namen »Breite Straße der Heiterkeit« (chin. Shenmen) eingesetzt. Er befindet sich an der Kleinfingerseite des Handgelenkes und wirkt u.a. harmonisierend bei Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit oder Schreckhaftigkeit.

Es gibt Qigong-Übungen, bei denen das Qi entlang der gesamten Herzleitbahn geführt wird, um so die Durchgängigkeit der Leitbahn im Körper zu gewährleisten und auf die o.g. Aspekte einzuwirken. Außerdem werden häufig Drehbewegungen eingesetzt, die den äußeren Rand des Armes, wo die Leitbahnen von Herz und Dünndarm verlaufen, als Achse benutzen. Bei der Selbstmassage wird mit dem Abklopfen der Arme auf alle Hand-Leitbahnen eingewirkt.


Dünndarm/Xiao Chang

Das System Dünndarm ist das Organ der Rituale, insbesondere der Opferung (opfert Weltbilder, Meinungen, egoistische Züge, Begierden, Ängste…). Sorgt beispielsweise dafür, dass wir anfangen, regelmäßig zu üben, zu beten, anderen zu helfen, Pausen einzulegen. Verwirklicht das Herz durch praktische Nächstenliebe, Hingabe, Verlustbereitschaft. Wandlungsphase Feuer.

Die Dünndarmleitbahn

Der Yang-Partner der Herz-Leitbahn ist die Dünndarm-Leitbahn. Das Qi wechselt zur inneren Nagelwurzel des kleinen Fingers und fließt über die Außenseite der Hand, des Armes, der Schulter und des Halses bis zur Nasenspitze links und rechts.

Über die 19 Einflusspunkte dieser Leitbahn können eher äußere krankmachende Einflüsse wie z.B. Infektionskrankheiten behoben werden. Sehr hilfreich ist die Nadelung auf dieser Leitbahn bei Verspannungen und Verhärtungen im Leitbahnverlauf und dessen näherer Umgebung. Gerade bei den häufig auftretenden Schulter- und Nackenproblemen bietet sich die Dünndarm-Leitbahn zur TCM-Behandlung an. Auch hier gelten Schmerzen, Haut- und Temperaturveränderungen entlang der Leitbahn als Anzeichen energetischer Probleme im Funktionskreis. Aber auch Fieber kann durch entsprechende Nadelung gesenkt werden.

Erkrankungen des Ohres, sonst in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eher der Niere zugeordnet, können ebenfalls über eine Behandlung der Dünndarm-Leitbahn behoben werden. So z. B. die immer häufiger anzutreffenden Ohrgeräusche (Tinnitus) oder aber Erkrankungen mit Schwindelanfällen oder Schwerhörigkeit.

Ein therapeutisch sehr interessanter Punkt ist der dritte Punkt der Dünndarm-Leitbahn mit dem Namen »Hinterer Wasserlauf« (chin. Houxi), der sich an der Handkante befindet. Über diesen Punkt können Rückenschmerzen und Spannungsprobleme des Rückens geheilt werden, da durch seine Stimulierung das Lenkergefäß, das am Rücken entlang der Wirbelsäule verläuft, durchgängig gemacht wird. Im Qigong lässt sich die Dünndarm-Leitbahn z.B. durch schneidende Bewegungen mit der Handkante gezielt stärken.


Blase/Pang Guang

Die Blase ist das Organ der Verbeugung und Demut vor dem Leben. Kontrolliert den Rücken, liebt die Aufrichtigkeit und Flexibilität. Affinität zu Kreuzbein und Knien (vor dem Leben niederknien…). Bei pathologischer Entgleisung große Gefahr des Trennens von Yin und Yang (s. Hexagramm auf der Organ-Uhr), also des Todes. Zugang zu den Flüssigkeitssystemen des Körpers. Wandlungsphase Wasser.

Die Blasenleitbahn

Von der Dünndarm-Leitbahn aus fließt das Qi weiter in die Blasen-Leitbahn, ebenfalls eine Yang-Leitbahn. Diese beginnt am inneren Augenwinkel und verläuft über die Stirn und den Schädel bis in den Nacken. Ein Zweig der Leitbahn läuft, in geringem Abstand, parallel zur Wirbelsäule über den hinteren Oberschenkel bis zur Kniekehle. Der andere Zweig zieht vom Nackenbereich aus schräg nach außen und verläuft dann parallel zum ersten Zweig, überzieht das Gesäß etwas nach außen hin, um sich dann, schräg über den hinteren Oberschenkel verlaufend, in der Kniekehle mit dem anderen Zweig wieder zu vereinen. Sie verläuft dann weiter seitlich des Unterschenkels bis zum äußeren Knöchel und endet an der äußeren Nagelbettseite der kleinen Zehe. Verbindungen bestehen zur Niere und zur Blase.

Die Blasen-Leitbahn ist die längste Leitbahn des Körpers und hat 67 Akupunkturpunkte, über die Einfluss auf die Gesundheit von Körper und Seele genommen werden kann. Natürlich stehen an erster Stelle die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten des Rückens und der Wirbelsäule. Kreuzschmerzen, Lendenprobleme, Verspannungen, Brüche und selbst Bandscheibenvorfälle können in der TCM über diese Leitbahn wirkungsvoll angegangen werden.

Auf der Blasenleitbahn finden wir die »Shu-Punkte«. Diese Punkte korrespondieren mit allen Organen bzw. Funktionskreisen des Körpers. Die Namen richten sich nach den angesprochenen Organen und lauten z.B. »Herz-Shu« oder »Lungen-Shu«. Über sie kann sehr gut Einfluss auf chronische Geschehen und Erkrankungen in den entsprechenden Funktionskreisen genommen werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten: Kopfschmerzen, Fieber und Augenerkrankungen.

Im Qigong findet der 23. Punkt der Blasenleitbahn, der Shu-Punkt des Funktionskreises Niere (chin. Shenshu), der anderthalb Fingerbreit neben der Wirbelsäule, auf Höhe des zweiten Lendenwirbeldornfortsatzes liegt, häufige Anwendung, sei es durch Massage oder durch das Führen der Vorstellungskraft in diese Gegend.

Freilich wirkt auch jede Rückenmassage auf diese Leitbahn ein. Eine andere häufig eingesetzte Massagetechnik ist das Abklopfen der Kniekehlen, das dazu dient, die Ausscheidung von Schlackenstoffen zu fördern.


Niere/shen

Sitz der vorgeburtlichen Energien des Körpers. Besitzt nur 10% Yang-Energie, aber das ist „Atompower“. Kontrolliert die Knochen und die Beine, nährt Wirbelsäule und Gehirn. Tugend: Weisheit. Schädigend: Angst. Wandlungsphase Wasser.

Die Nierenleitbahn

Mit dem Durchfluss des Qi durch die Nieren-Leitbahn, eine Yin-Leitbahn, endet der zweite Umlauf des Qi. Ausgangspunkt ist die Fußsohlenmitte. Von hier aus fließt die Energie aufwärts. Dabei wird der innere Fußknöchel umkreist, bevor die Leitbahn an der Innenseite des Beines hoch bis zum Schambein fließt. Von dort verläuft sie seitlich der Mittellinie des Bauches und der Brust bis unter das Schlüsselbein. Verbindungen bestehen zum kleinen Becken, zur Blase, zum Steißbein, zum Rachen, zu den Nieren und zum Unteren Dantian, einem der wichtigsten Energiezentren.

Da der Niere in der TCM die vorgeburtlichen Energien und die Essenz zugeschrieben werden, greift man mit der Behandlung dieser Leitbahn in tiefste Schichten unseres Körpers ein, aber auch Kreuzschmerzen sind über Punkte der Nieren-Leitbahn sehr gut zu beeinflussen. Allerdings muss achtsam diagnostiziert und vorsichtig genadelt werden. Gerade weil wir hier innerste Schichten unserer Energie angreifen, kann dieser wichtige Energiespeicher auch geleert werden, wodurch sich die Beschwerden dann verschlimmern können.

Beim Qigong wird sehr häufig mit dem ersten Punkt der Nierenleitbahn an der Fußsohle, »Emporsprudelnde Quelle (chin. Yongquan) genannt, gearbeitet. Man stellt darüber eine Verbindung zur Erde her. »Sich verwurzeln« nennt man dies im Qigong, und diese Form der Erdung findet man auch beim chinesischen Schattenboxen, dem Taijiquan. Dadurch können z. B. auch Herz-Kreislauf-Beschwerden wie hoher Blutdruck langsam aber sicher normalisiert werden.
Die regelmäßige Massage der Fußsohle und insbesondere des ersten Punktes der Nierenleitbahn wird in allen Werken zur TCM als gesundheitsfördernd empfohlen.


Herzbeutel/Xin Bao

Der Beschützer des Herzens. Organ des Verliebt-Seins – in das Leben, die Schöpfung, das Sein an sich. Verbindet uns mit allen anderen Wesen. Affinität zum Brustkorb, den Brüsten. Schädigend: Verbote, gedankliche Vorstellungen (z.B. Noten, Urteile) und „Missbrauch” jeder Art (Krieg, sexuelle Übergriffe, Mobbing). Sagt „Ja“ zum Leben. Wandlungsphase Feuer.

Die Herzbeutelleitbahn

Der dritte und letzte Umlauf des Qi startet wieder in den Armen und beginnt mit der Herzbeutel-Leitbahn. Diese Yin-Leitbahn, die auch als Perikard- oder Kreislauf/Sexus-Leitbahn bekannt ist, tritt seitlich der Brustwarze an die Oberfläche, verläuft dann bogenförmig um die Achsel und weiter an der Innenseite des Armes abwärts, bis sie schließlich am Nagelbett des Mittelfingers endet. Verzweigungen der Leitbahn gehen zum Unterbauch und zum Herzen.

Die Herzbeutel-Leitbahn hat neun Einflusspunkte, die einer Therapie bzw. Einflussnahme zugänglich sind. Wie der Name schon andeutet, besteht eine sehr starke Beziehung zur Herz-Leitbahn, weshalb sich zum Teil ähnliche oder sich überschneidende Behandlungsmöglichkeiten ergeben. Insgesamt gilt die Leitbahn als »Beschützer des Herzens«, der verhindert, dass krankmachende Einflüsse das Herz direkt angreifen. Diese zeigen sich deshalb oft zuerst an der Herzbeutel-Leitbahn. Ein Unterschied zwischen Herz- und Herzbeutel-Leitbahn besteht außerdem darin, dass das Herz mehr für die psychisch-emotionale Ebene zuständig ist, während der Herzbeutel eher der direkte Zugriff auf die funktionelle, organbezogene Ebene des Körpers gegeben ist. Bei Schmerzen in der Brust und insbesondere bei Herzschmerzen, aber auch bei Kreislaufproblemen ist eine Nadelung angezeigt.

Das »Innere Passtor« (chin. Neiguan), der sechste Punkt der Herzbeutel-Leitbahn, der auf dem Unterarm, zwei Fingerbreit von der Handgelenkfalte entfernt, liegt, nimmt sehr starken Einfluss auf die Energien im Herzen bzw. im gesamten Brustkorbbereich. Wenn das Qi dort ins Stocken gerät, kann es laut TCM durch eine entsprechende Nadelung dieses Punktes sehr gut harmonisiert und abgeleitet werden.
Für das Qigong ist der achte Punkt der Herzbeutel-Leitbahn, »Mitte des Handtellers« (chin. Laogong) genannt, sicherlich einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Dieser Punkt liegt, wie sein Name schon sagt, fast exakt in der Mitte der Handfläche, etwas zur Daumenseite hin. Wird diese Stelle warm oder beginnt zu kribbeln, weiß man, dass das Qi die Handmitte erreicht hat. Außerdem ist dieser Punkt bei den meisten Menschen sehr druckempfindlich, und durch seine hohe Sensibilität kann hier ein Qi-Gefühl meist recht schnell wahrgenommen werden.
Über den Laogong-Punkt wird das Qi auch geführt und gelenkt. Wenn man z.B. massiert oder das Qi eines anderen Menschen leiten möchte, wird dies überwiegend über diesen Punkt gemacht.


Dreifacher Erwärmer/San Chiao

Das Organ des Allein-Seins (6 Yin-Striche – der Sarg). Steht für Todesmut. Bezug zur Meditation. Kontakt zum Leben über den Aspekt des Todes. Führt uns zur Erleuchtung durch das Annehmen des Yin (Tod, Verlust, Demut, Schwäche, Stille). Wandlungsphase Feuer.

Die 3-Erwärmer-Leitbahn

Von der Herzbeutelleitbahn fließt das Qi weiter in die Dreifacher-Erwärmer-Leitbahn. Hier finden wir nun eine Leitbahn, die zu einem Funktionskreis gehört, den unsere Schulmedizin überhaupt nicht kennt. Sie verläuft von der äußeren Nagelwurzel des Ringfingers über die Außenseite des Armes zur Schulter und zum Hals. Von hier aus zieht sie nach vorne, umkreist dabei das Ohr und endet seitlich der Augenbraue. Eine Verzweigung der Leitbahn geht durch den Brust- und Magenbereich bis unterhalb des Bauchnabels.

Als Yang-Leitbahn der Hand verläuft die Dreifacher-Erwärmer-Leitbahn an der Außenseite der Arme. Über viele ihrer 23 Einflusspunkte lassen sich äußere krankmachende Energien ausleiten. Sie öffnet die Oberfläche und löst den gesamten Energiefluss im Bereich ihres Verlaufes.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es das Konzept der drei »Brenner« oder »Erwärmer«. Unter dem »Unteren Erwärmer« versteht die TCM den Bereich des Unterbauches und des Beckens mit den darin befindlichen Organen Niere, Blase und einem Teil der Därme. Der »Mittlere Erwärmer« umfasst die Oberbauchregion und die Organe Magen und Milz, aber auch die Leber und die Bauchspeicheldrüse. Zum »Oberen Erwärmer« gehören der Brustkorb, die Lunge, das Herz und das Gehirn. Zwischen diesen drei Körperregionen und den entsprechenden Organen sollte ein guter, harmonischer Energieaustausch stattfinden, da sich alle drei gegenseitig bedingen und voneinander abhängig sind. Über die Dreifacher-Erwärmer-Leitbahn kann regulierend auf dieses Zusammenspiel eingewirkt werden.

Weiterhin lassen sich über die Dreifacher-Erwärmer-Leitbahn sogenannte »Windschädigungen« zerstreuen, was z.B. bei Kopf- oder Halsschmerzen von Bedeutung sein kann. Und schließlich können über diese Leitbahn auch Sensibilitätsstörungen behandelt werden, wie z.B. Taubheit oder Lähmungen im Gesichtsbereich.

Beim Qigong wird oftmals die gesamte Dreifacher-Erwärmer-Leitbahn genutzt, indem man über die Vorstellungskraft das Qi entlang der Außenseite des Armes sendet. Aber auch der fünfte Punkt der Leitbahn, das »Äußere Passtor« (Waiguan) finden wir in einigen Qigong-Übungen wieder. Dieser Punkt befindet sich auf der Außenseite des Unterarms, zwei Fingerbreit von der Handgelenkfalte entfernt, also direkt gegenüber dem Punkt »Inneres Passtor« (Neiguan) auf der Herzbeutelleitbahn.
Er wird auch in der Massage häufig benutzt. Einige Ärzte warnen davor, Quarzuhren direkt über diesem Punkt zu tragen, weil dies ihrer Ansicht nach seine Energie stören kann.


Gallenblase/Dan

Das „unbewussteste“ Organ. Führt ins Licht. Sitz des Lebenswillens und der Entschlusskraft, zur Tat zu schreiten. Braucht ein starkes Herz (Auf der Organuhr genau gegenüber) zur Kontrolle und Führung. Zur Gallenblasen-Zeit (23 Uhr) wird die Kortisol-Ausschüttung heruntergefahren. Kontrolliert die Hüfte, durchzieht die Seite, Öffnungspunkt für den Dai-Mai. Schädigend: Lieb- und Leblosigkeit, zu viel Ordnung und Kontrolle. Wandlungsphase Holz.

Die Gallenblasenleitbahn

Von der Dreifacher-Erwärmer-Leitbahn wechselt das Qi in den Gallenblasen-Meridian. Dieser beginnt am äußeren Augenwinkel und durchzieht zackenförmig den gesamten seitlichen Kopfbereich. Dann verläuft er abwärts vom Nacken aus durch das Schultergelenk und zieht in weiteren spitzen Winkeln über die Außenseite des Brustkorbes, der Hüfte und des Beines bis in die Nagelwurzel der vierten Zehe. Verbindungen bestehen zum Wangenbereich, zur Gallenblase und zur Leber.

Mit 44 Einflusspunkten bietet der Gallenblasen-Meridian, eine Yang-Leitbahn, laut TCM vielseitige Einfluss- und Behandlungsmöglichkeiten, vor allem bei Störungen und Problemen, welche die Seiten des Körpers betreffen. Außerdem lassen sich über sie auch tiefgreifende Energiedisharmonien beeinflussen, wenngleich die tieferen Wirkungen über die Leber-Leitbahn, die mit der Gallenblasen-Leitbahn gepaarte Yin-Leitbahn, zu erreichen sind. Sehr gut zu behandeln sind über die Gallenblasenleitbahn z.B. Kopfschmerzen, Krämpfe und Verspannungen, wie man sie häufig bei uns antrifft. Ihr Verlauf über die gesamte Seite des Kopfes lässt eine hervorragende Beeinflussung der Gesundheit von Kopf und Nacken zu, und auch Augen- oder Ohrenprobleme können über die Gallenblasenleitbahn angegangen werden. Eine wichtige Indikation sind außerdem sogenannte »Windstörungen« (siehe Kapitel »Die krankheitsauslösenden Faktoren«), die sich durch grippale Infekte, Schlaganfallsymptome oder gerötete Augen zeigen.

Einer der wichtigsten Punkte auf der Gallenblasenleitbahn für »Windsymptome« ist der 20. Punkt; »Teich des Windes« (chin. Fengchi), der im Nacken, seitlich der Halswirbelsäule und etwas oberhalb des Haaransatzes in einer Kuhle zwischen zwei Muskelsträngen liegt.
Beim Qigong gibt es viele sanfte Dehnungsübungen, bei denen die Körperseiten gedehnt werden und dadurch auch die Gallenblasenleitbahn durchgängig gemacht wird.

Für die Massage spielen der bereits genannte 20. Punkt sowie der 21. Punkt, genannt »Brunnen der Schulter« (chin. Jiangjing), der sich in einer Vertiefung am höchsten Punkt der Schulter befindet, eine große Rolle, wenn es darum geht, Stauungen des Qi im Nackenbereich zu vermeiden bzw. aufzulösen.


Leber/Gan

„Blut-Organ“ (Frauen-Organ). Verabscheut Druck, braucht Bewegung, ist ausdauernd. Reagiert stark auf alle Emotionen. Versorgt den kompletten Unterleib (insbesondere den der Frau). Direkter Ausdruck des Lebens. Besitzt eine unglaubliche Kraft (der Wiedergeburt/des Frühlings). Auf der Organuhr der Gallenblase folgend, um deren Initialzündung die notwendige Kraft zum Weitermachen zu geben. Tugend: Mitgefühl/Mitmenschlichkeit. Schädigend: Frust/Ärger/Zorn und Wut. Wandlungsphase Holz.

Die Leberleitbahn

Letzte Station des Qi auf seiner Reise durch die drei Umläufe ist der Leber-Meridian. Diese Yin-Leitbahn beginnt an der äußeren Seite des Großzehnagels und steigt an der Innenseite des Beines bis kurz unterhalb der Brustwarze auf. Verzweigungen gehen zum Unterkörper, zur Leber, zur Gallenblase, aber auch zum Hals- und Mundbereich und zum Auge. Anschließend beginnt der Qi-Kreislauf von vorne, d.h. erneut mit der Lungenleitbahn.

Der Leber-Meridian bietet 14 Punkte, mit denen therapeutisch in Bezug auf die Aufgaben des Funktionskreises Leber gearbeitet werden kann. Diese Funktionen gehen weit über die in der Schulmedizin der Leber zugeordneten hinaus. So ist sie u.a. für die Speicherung des Blutes, die Versorgung der Sehnen und Bänder mit Nährstoffen und für den freien Fluss von Blut und Qi im Körper zuständig, aber auf der psychisch-emotionalen Ebene auch für Entscheidungsfreudigkeit und Phantasie. Entsprechend sind die Behandlungsmöglichkeiten.

Beschwerden wie Bluthochdruck, Hitzegefühl im Kopf und gestaute Energie im Magenbereich werden klassischerweise einer gestörten Leberfunktion zugeordnet und über die Leberleitbahn behandelt. Aber auch auf Ausscheidungsstörungen oder stechende Schmerzen in der Brust lässt sich über diese Leitbahn einwirken.

Ein sehr effektiver Punkt, der die Energien abkühlen und senken kann, ist der dritte Punkt der Leberleitbahn, genannt »Die mächtige große Straße« (chin. Taichong), der sich auf dem Fußrücken zwischen dem Mittelfußknochen der großen Zehe und der zweiten Zehe befindet. Er harmonisiert das energetische Geschehen und ist über eine Nadelung hervorragend zu stimulieren.

Das Qigong kennt Konzentrationsübungen, bei denen die Vorstellungskraft das Qi zu den großen Zehen hin leitet, aber auch solche, die es entlang der Innenseiten der Beine führen. Alle Übungen mit »Beinarbeit« – von denen es beim Qigong sehr viele gibt – sind für sämtliche Funktionskreise, deren Leitbahnen an den Beinen verlaufen, sehr nutzbringend.
Eine Massage des dritten Punktes der Leberleitbahn kann ebenfalls ausgezeichnete Wirkungen erzielen.

Diese knappe Darstellung der zwölf Organsysteme der Organuhr soll Ihnen lediglich einen kleinen Eindruck von dem großen Wissensschatz der Traditionellen Chinesischen Medizin vermitteln. Neben den Hauptleitbahnen dieser Systeme existieren viele weitere Gefäße, Netz- und Muskelleitbahnen. Alle Gefäße und Leitbahnen stehen in Verbindung zueinander (Auf der Organuhr durch die Verbindungslinien angedeutet) und wirken auf die vielfältigste Art und Weise auf alle Aspekte der Gesundheit und des menschlichen Lebens ein.

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